Aus: Milch, Speed & Alby Starvation
Ich stehe beim Konzert und unterhalte mich mit Fran und Julie,
bis sie weggehen und sich mit jemand anderem unterhalten. Ich schaue
ziellos umher und fühle mich etwas idiotisch, weil ich mitten
im Raum allein stehe. Naja, der ganze Laden ist voll mit Leuten,
und niemand kann auch nur ahnen, dass ich alleine hier bin, aber
das Gefühl ist nun mal da; also versuche ich mich zur Wand
durchzukämpfen, um mich dort bequem und sicher anlehnen zu
können - allein zu sein ist halb so schlimm, wenn man erst
einmal eine Wand hat, an die man sich lehnen kann. Gegenüber
der Theke, wenn man zwei aneinander gestellte Kisten als Theke bezeichnen
kann, finde ich einen Platz und versuche unauffällig, meinen
Hals zu recken, um mein Spiegelbild zu betrachten. Es ist ziemlich
dunkel, was mir zugute kommt, wenn ich denkte, dass ich wirklich
schlimm aussehe. Der Stress, ein gesuchter Mann zu sein, zusätzlich
zu all den Nachwirkungen meiner Krankheit, das alles hat mich entstellt.
Obwohl ich in letzter Zeit etwas gesünder bin, hat die Milchkrankheit
eine sehr ungesunde Hautfarbe hinterlassen, und das schreckliche
Leid, das ich durchgemacht habe, hat mein jugendliches Aussehen
völlig ruiniert. Nicht das Älterwerden ist schuld daran,
sondern die Krankheit.
Während ich mich immer noch recke, um mein Aussehen zu kontrollieren,
verschütte ich mein Getränk über die Person, die
neben mir steht.
June fühlt sich nicht so schlecht bei diesem Konzert. Sie
war noch nie bei so etwas. Als alleinstehende Frau muss sie laufend
irgendwelche Blicke und Annäherungsversuche abwehren. Das macht
sie, indem sie versucht, ihre Gedanken auf die Leichen der beiden
Männer, die sie in den USA erschossen hat, zu konzentrieren,
und dann dieses Bild auf jeden, der sie hoffnungsfroh ansieht, zu
projizieren. Es scheint zu funktionieren. Und da sie im Notfall
jeden zusammenschlagen könnte, der sie belästigt, ist
sie nicht sonderlich beunruhigt.
Irgend jemand steht neben ihr an der Wand, aber er belästigt
sie nicht. Wahrscheinlich ist er zu beschäftigt damit, sein
Spiegelbild zu betrachten, um sie zu bemerken. Aber ohne erkennbaren
Grund, es sei denn aus Dummheit, verschüttet er seinen Drink
über sie.
June ist verärgert darüber, dass Bier an ihrem Bein
herunterläuft.
"Du Kretin", sagt sie. "Was soll das?"
Es scheint ihm wirklich leid zu tun, und tatsächlich zuckt
er vor ihr zusammen, seine merkwürdige Hautfarbe wird bleicher,
er entschuldigt sich wortreich und bietet ihr an, ihr einen neuen
Drink zu kaufen, bevor ihm einfällt, dass er ja seinen eigenen
verschüttet hat.
"Ein Idiot", denkt sie.
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